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	<title>Infektion - www.tiermedizin-wissen.de</title>
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		<title>Die große Panik vor Giardien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Kim Hege]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Oct 2025 10:11:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Infektion]]></category>
		<category><![CDATA[Tiermedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Verdauung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Worum geht&#8217;s? Hunde- und Katzenbesitzer:innen fürchten sich vor Magen-Darm-Symptomen bei ihren Tieren. Absolut nachvollziehbar, denn es gibt wenige Dinge, die belastender sind, als ein Haustier mit ständig wiederkehrendem Durchfall oder Erbrechen. Daher freut es die...</p>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Worum geht's?</h2>				</div>
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									<p>Hunde- und Katzenbesitzer:innen fürchten sich vor Magen-Darm-Symptomen bei ihren Tieren. Absolut nachvollziehbar, denn es gibt wenige Dinge, die belastender sind, als ein Haustier mit ständig wiederkehrendem Durchfall oder Erbrechen. Daher freut es die breite Masse sehr, wenn ein Schuldiger für diese Symptome gefunden wird, gegen den konkret vorgegangen werden kann. Man wünscht sich ein Feindbild, das bekämpft werden kann. In vielen Fällen werden Giardien in diese Rolle gesteckt, weshalb sie breitflächig gefürchtet werden und in aller Munde sind. Aber was ist dran an der großen Panik vor Giardien?</p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Was sind Giardien?</h2>				</div>
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									<p>Giardien sind parasitäre Einzeller, die omnipräsent sind, also quasi überall vorkommen. Genau da liegt das große Problem: Sie sind ÜBERALL vorhanden. Freigänger-Katzen und Hunde, die regelmäßig die eigenen vier Wände verlassen, werden wohl oder übel irgendwann mit Giardien in Kontakt kommen. Die Zysten der kleinen Parasiten befinden sich im Kot und werden oral aufgenommen. Die Übertragung kann auch noch nach Monaten erfolgen, da sich die Zysten in der Umwelt lange halten.</p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Welche Krankheit geht mit Giardien einher?</h2>				</div>
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									<p>Eine Giardiose (so wird das Krankheitsbild bezeichnet)<strong><em> kann </em></strong>zu wässrigem bis schleimigem Durchfall führen. In der Regel sind die Symptome lästig, aber nicht ernsthaft bedrohlich. Die große Mehrheit der Tiere bildet gar keine Symptome aus. Dies ist einerseits unpraktisch, da diese Tiere symptomfreie Ausscheider darstellen und Giardien in der Umwelt verteilen. Andererseits ist es jedoch für das entsprechende Tier erfreulich, symptomfrei zu sein und zeigt, dass Giardien <em>per se </em>nicht unbedingt dramatisch sein müssen.</p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Diagnose und Frage nach Behandlung</h2>				</div>
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									<p>Die Diagnose erfolgt mittels Kotuntersuchung. Eine positive Kotuntersuchung, also der Nachweis von Giardien-Oozysten muss jedoch nicht zwangsläufig zu einer Therapie führen! Da Giardien sowieso &#8222;überall&#8220; sind und es absolut illusorisch wäre, diese aus der Umwelt eradikadieren zu wollen, geht man inzwischen davon weg, symptomlose Trägertiere zu therapieren. Ausnahmen stellen geschlossene Tierbestände dar, bei denen verhindert werden soll, dass sich der gesamte Bestand und alle neu hinzukommenden Tiere immer wieder anstecken. Während Giardien bei Tieren mit einem gesunden Magen-Darm-Trakt in der Regel kaum bis keine Symptome verursachen, sind immungeschwächte oder Tiere mit Magen-Darm-Vorerkrankungen eher gefährdet.</p>								</div>
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									<p><strong>Tiere mit Symptomen sollten therapiert werden</strong>. Nach abgeschlossener Therapie empfiehlt sich zudem eine Nachkontrolle mittels Kotuntersuchung in einem Zeitfenster von ca. 5 Tagen nach Therapie-Ende. Wenn die Symptome bestehen bleiben, der Giardien-Test aber negativ ist, kann davon ausgegangen, dass ein weiteres Problem besteht: eine chronische Darmentzündung (z. B. durch Futtermittelunverträglichkeit /-allergie, Veränderungen im Mikrobiom o.ä.). Dies ist häufig der Fall, da Giardien meist eher bei einem vorgeschädigten Darm zu Symptomen führen. Sie sind in vielen Fällen eher die Spitze des Eisbergs als das eigentliche Problem!</p>								</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Wie behandelt man?</h2>				</div>
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									<p>Da Giardien sich in der Umgebung sehr lange und zäh halten können, empfiehlt sich neben der Therapie des Tieres auch immer eine gründliche Desinfektion der Umgebung. Empfohlen wird auch eine Waschung der mit Kot in Kontakt gekommenen Körperbereiche des Tieres mit Chlorhexidin. Genauere Informationen zum Desinfektionsplan gibt es bei der <a href="https://www.esccap.de/" target="_blank" rel="noopener">ESCCAP</a>. Um Giardien im Tier zu eliminieren, empfiehlt sich die Gabe einer dafür zugelassenen Wurmkur. In der Regel kommt der Wirkstoff Fenbendazol zum Einsatz. Dieser sollte über 5-10 Tage hinweg verabreicht werden. </p>								</div>
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									<p>Tatsächlich lässt sich<a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9621113/" target="_blank" rel="noopener"> nicht immer eine Parasiten-Freiheit</a> (Kaufmann et al., 2022) durch die Therapie erreichen, sodass gelegentlich mehrere Zyklen der Therapie nötig werden können. Die Symptome werden jedoch bei vielen Patienten bereits durch eine Verminderung der Giardien-Zahl besser. Zudem wird ein gesunder Darm Giardien auch in der Regel langfristig von selbst los. All dies unterstreicht, dass es wenig Sinn macht, symptomlose Patienten zu therapieren. Es ist nicht klar, ob es sich bei der ausbleibenden Parasiten-Freiheit durch Therapie um eine echte Resistenz gegenüber dem Medikament handelt (dies wird von vielen Expert:innen eher angezweifelt), oder um Reinfektionen, also erneute Infektionen wegen einer mangelhaften Desinfektion und / oder symptomfreien Ausscheidern in der Umgebung.</p>								</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Fenbendazol vs. Metronidazol</h2>				</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
									<p>Metronidazol ist ein Antibiotikum, das zur Therapie der Giardiose ebenfalls zugelassen ist und häufig eingesetzt wird. Eine <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8032893/" target="_blank" rel="noopener">Vergleichsstudie zwischen Fenbendazol und dem Antibiotikum Metronidazol</a> (Ciuca et al., 2021) konnte keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen Metronidazol und Fenbendazol nachweisen. In <a href="https://tiermedizin-wissen.de/antibiotika-in-der-tiermedizin/" target="_blank" rel="noopener">Zeiten der Antibiotikaresistenzen</a> sollte jedoch unbedingt auf den Einsatz eines Antibiotikums verzichtet werden, wo es nur geht. Zudem birgt Metro die Gefahr neurologischer Nebenwirkungen, selbst bei normaler Dosierung. Das schwerwiegendste Problem bei der Anwendung von Metronidazol gegen Giardien ist jedoch der nachhaltige negative Effekt, den der Wirkstoff auf das Darm-Mikrobiom, also die wichtigen Darmbakterien, hat. Eine <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32856349/" target="_blank" rel="noopener">Studie</a> konnte zeigen, dass die Anwendung des Wirkstoffs bei gesunden Tieren das mikrobielle Ökosystem im Darm langfristig beschädigt. Dies kann schwerwiegende Folgen für die Magen-Darm-Gesundheit des Tieres haben und sollte unbedingt vermieden werden.</p>								</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Zusammenfassung</h2>				</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
									<ul><li>Giardien sind überall.</li><li>Sie führen bei vielen Tieren zu keinerlei Symptomen.</li><li>Aufgrund zahlreicher Ausscheider und extremer Haltbarkeit in der Umwelt, wird man es nicht schaffen, das Infektionsrisiko signifikant zu senken.</li><li>Eine symptomlose Giardien-Infektion sollte nicht therapiert werden. Ausnahme: Geschlossener Tierbestand, bei dem ein konsequentes Desinfektions-Regime möglich ist.</li><li>Giardien stellen bei anderen Magen-Darm-Erkrankungen häufig ein Zusatz-Problem dar, welches dann auch therapiert werden sollte.</li><li>Eine Erregerfreiheit ist nicht immer unmittelbar nach Therapie zu erreichen.</li><li>Der Einsatz des Wirkstoffs Metronidazol gegen Giardien sollte kritisch hinterfragt und breitflächig eingedämmt werden.</li><li>Ein gesunder Magen-Darm-Trakt schafft es oft alleine, mit Giardien klarzukommen.</li><li>Bei rezidivierenden Problemen mit Giardien, sollte die gesamte Magen-Darm-Gesundheit optimiert werden (Fütterung optimieren, Mikrobiom stärken, andere Grunderkrankungen abklären).</li></ul>								</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Kohlenhydrat-arme Fütterung</h2>				</div>
				</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
									<p>Die Information, eine kohlenhydrat-arme Fütterung helfe gegen Giardien, geistert weiterhin in Internet, Medien und Köpfen herum. Hierfür fehlt jedoch jegliche Evidenz. Es gibt keine Studien, die diese These belegen. Was sich jedoch auf jeden Fall empfiehlt, ist die individuelle Optimierung der Fütterung bei entsprechenden Patienten. Eine Ernährungsberatung durch eine Expertin ist daher unbedingt zu empfehlen.</p>								</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Fazit</h2>				</div>
				</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
									<p>Giardien können nervig und hartnäckig sein. Wirklich bedrohlich sind sie jedoch selten. Die Optimierung der allgemeinen Magen-Darm-Gesundheit steht bei Giardien-geplagten Patienten an oberster Stelle! Wenn dich das Thema weiter interessiert, empfehlen wir das <a href="https://tiermedizin-wissen.de/kurse/online-kurs-fuer-tierbesitzer-chronische-magen-darm-erkrankungen/" target="_blank" rel="noopener">Modul zu chronischen Magen-Darm-Erkrankungen</a>.</p>								</div>
				</div>
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				</div>
					</div>
				</div>
				</div>
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		<title>Die große Bedrohung: Antibiotika-Resistenzen</title>
		<link>https://tiermedizin-wissen.de/antibiotika-in-der-tiermedizin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kim Hege]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Dec 2024 09:45:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Infektion]]></category>
		<category><![CDATA[Tiermedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Verdauung]]></category>
		<category><![CDATA[Antibiotic Stewardship]]></category>
		<category><![CDATA[Antibiotika in der Tiermedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Antibiotika-Resistenzen Hund]]></category>
		<category><![CDATA[Bakterielle Infektion Tiermedizin]]></category>
		<category><![CDATA[Multiresistenz]]></category>
		<category><![CDATA[Tierärztin Antibiotikum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Problem Antibiotika in der Tiermedizin sind problematisch! Wusstest du, dass im Jahre 2050 zehn Millionen Menschen jährlich an Antibiotika-Resistenzen sterben werden? Sie sterben nicht an der Resistenz selbst, sondern an einer (oft eigentlich sehr...</p>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Das Problem</h2>				</div>
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<p class="wp-block-paragraph">Antibiotika in der Tiermedizin sind problematisch! Wusstest du, dass <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)01867-1/fulltext" target="_blank" rel="noopener">im Jahre 2050 zehn Millionen Menschen jährlich an Antibiotika-</a>Resistenzen sterben werden? Sie sterben nicht an der Resistenz selbst, sondern an einer (oft eigentlich sehr unspektakulären) bakteriellen Infektion. Gegen diese hilft dann einfach keine Therapie mehr. Sehr elendiges Schicksal,<br />findest du nicht auch? Einer dieser Menschen könntest auch du sein, oder ein von dir geliebtes Familienmitglied. Aber wieso sprechen wir auf einer Tiermedizin-Seite darüber? Und wieso<br />stecken wir alle mitten drin im Problem und dürfen uns der Verantwortung<br />nicht entziehen? Gehen wir es doch mal gemeinsam durch!</p>
								</div>
				</div>
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									<p><em>Mikrokopie: Ausstrich von vaginalem Ausfluss einer Hündin mit offener</em><br /><em>Gebärmutter-Vereiterung (Pyometra). Die kleinen, dunkelblauen Punkte sind</em><br /><em>Bakterien, die großen, wolkigen Strukturen Eiterzellen (neutrophile</em><br /><em>Granulozyten).</em></p>								</div>
				</div>
					</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Der Einsatz von Antibiotika</h2>				</div>
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									<p>Antibiotika (<em>Singular übrigens &#8222;Antibiotikum&#8220;</em>) sind Medikamente, die gegen bakterielle Infektionen helfen<br />(sollen). Dies tun sie auf verschiedene Arten und Weisen. Durch verschiedene<br />Antibiotika-Stoffklassen werden verschiedene Arten an Erregern abgetötet<br />oder so stark geschwächt, dass das  Immunsystem sie<br />eliminieren kann. Ist es nicht fantastisch, dass uns so großartige Medikamente<br />zur Verfügung stehen? </p>
<p>Der Einsatz dieser Super-Waffen muss aber extrem vorsichtig und durchdacht<br />erfolgen. Neben zahlreichen möglichen Nebenwirkungen, die es zu<br />vermeiden gilt, besteht bei jeder einzelnen (!) Anwendung eines Antibiotikums<br />die Möglichkeit, dass sich Resistenzen ausbilden. Diese führen dazu, dass das Medikament nicht<br />mehr wirkt.</p>								</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">"Aber nur 1 x Antibiotikum schadet ja nicht."</h2>				</div>
				</div>
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									<p>Oft erfolgt die Argumentation „Ach, mein Hund brauchte bisher<br />ja noch nie ein Antibiotikum. So schnell wird der ja jetzt nicht resistent<br />werden“. Hier liegt aber ein Denkfehler vor: Entgegen der allgemeinen<br />Vorstellung bilden nämlich nicht die behandelten Menschen oder Tiere eine<br />Resistenz aus, sondern die behandelten Bakterien. Das ist ein<br />ganz wichtiger Unterschied, denn dadurch wird die Resistenz nicht nur für das<br />Einzeltier / den einzelnen Menschen zur Gefahr, sondern bedroht uns alle.<br />Die resistenten Bakterien vermehren sich munter weiter und können dann vom Patienten einfach fröhlich den nächsten Organismus befallen. Spoiler: Auch bei diesem wird das entsprechende<br />Antibiotikum dann nicht mehr helfen!<br />Am Ende stehen wir also mit dem Rücken zur Wand, da wir es inzwischen<br />bereits häufig mit multiresistenten Keimen zutun haben. Dies sind<br />Infektionserregern, bei denen multiple Antibiotika wirkungslos geworden sind.<br />Das Problem betrifft uns alle. Weltweit. Mensch und Tier.</p>								</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Oftmals braucht es gar kein Antibiotikum!</h2>				</div>
				</div>
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									<p>Was können wir nun aber tun, um der Problematik entgegenzuwirken? Ganz<br />einfach: Wir müssen den Einsatz unserer Superwaffen signifikant reduzieren!<br />Das betrifft natürlich auch die Humanmedizin, aber da<br />das <a href="https://tiermedizin-wissen.de/ueber-mich/" target="_blank" rel="noopener">nicht meine Baustelle</a> ist, spreche ich hier über den Einsatz von Antibiotika<br />in der Tiermedizin.<br />Ich erlebe es in der täglichen Praxis nicht selten, dass Besitzer:innen von sich<br />aus den Wunsch nach einem Antibiotikum äußern. In den allermeisten Fällen<br />braucht es aber gar kein Antibiotikum.<br />Wichtig ist: Eine bakterielle Infektion ist nicht gleichzusetzen mit einer<br />Entzündung. Eine Entzündungsreaktion (einhergehend mit Rötung, Schwellung,<br />Wärme, Schmerzen,..) kann andere Ursachen haben. Entzündungsursachen sind z.B. eine Verletzung (ein<br />Trauma), Virusinfektionen, parasitäre Infektionen, Pilzinfektionen,<br />Autoimmunreaktionen, Tumoren, Stress, Unverträglichkeiten, Fremdkörper<br />u.v.m. B<strong>ei all diesen Ursachen hilft ein Antibiotikum gar nicht.</strong></p>
<p>Außerdem gibt es viele bakterielle Infektionen, die vom körpereigenen<br />Immunsystem problemlos bekämpft werden können, denn das ist immerhin<br />sein Job! Die Bekämpfung einer Infektion braucht einfach meistens ein bisschen<br />Zeit, Ruhe und entsprechende Symptomtherapie.</p>								</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Die goldenen Regeln</h2>				</div>
				</div>
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									<p><span style="text-decoration: underline;">Wir können also einpaar goldene Regeln festlegen:</span></p>
<ol class="wp-block-list">
<li style="list-style-type: none;">
<ol class="wp-block-list">
<li>Ein Antibiotikum sollte nur dann eingesetzt werden, wenn eine<br />bakterielle Infektion nachgewiesen wurde. Alternative: Sie wird sehr, sehr (!) stark<br />vermutet (z. B. anhand bestimmter Blutparameter)</li>
<li>Ein Antibiotikum sollte nur dann eingesetzt werden, wenn eine<br />schwerwiegende bakterielle Infektion vorliegt, die das eigene<br />Immunsystem höchstwahrscheinlich alleine nicht erfolgreich bekämpfen<br />kann</li>
<li>Es muss immer das zum Erreger passende Antibiotikum gewählt werden</li>
<li>Es muss immer eine passende Dosierung und Anwendungs-Dauer<br />ausgewählt werden</li>
<li>KEIN Einsatz eines Antibiotikum bei Lappalien</li>
</ol>
</li>
</ol>								</div>
				</div>
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															<img loading="lazy" decoding="async" width="731" height="335" src="https://tiermedizin-wissen.de/wp-content/uploads/2020/10/BU-Multiresistente-Pseudomonaden.jpg" class="attachment-large size-large wp-image-1392" alt="" srcset="https://tiermedizin-wissen.de/wp-content/uploads/2020/10/BU-Multiresistente-Pseudomonaden.jpg 731w, https://tiermedizin-wissen.de/wp-content/uploads/2020/10/BU-Multiresistente-Pseudomonaden-300x137.jpg 300w, https://tiermedizin-wissen.de/wp-content/uploads/2020/10/BU-Multiresistente-Pseudomonaden-600x275.jpg 600w" sizes="(max-width: 731px) 100vw, 731px" />															</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
									<p><em>Ergebnis einer bakteriologischen Untersuchung mit Resistenz-Testung</em><br /><em>(Ohrtupfer). Nachgewiesen wurden Pseudomonaden (massenhaft). Die vielen</em><br /><em>„R“ in der abgebildeten Tabelle weisen auf eine sehr schlechte Resistenzlage</em><br /><em>hin. Die meisten Antibiotika werden gegen dieses Bakterium nicht mehr helfen.</em></p>								</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Wann sollten wir kein Antibiotikum einsetzen?</h2>				</div>
				</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
									<p><span style="text-decoration: underline;"><strong>Kein</strong> Antibiotikum einsetzen bei&#8230;</span></p>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul class="wp-block-list">
<li>Bei Virusinfektionen ohne bakterielle Sekundärinfektion</li>
<li>Bei Durchfall</li>
<li>Bei Erbrechen</li>
<li>Bei sterilen Blasenentzündungen (v.a. bei der Katze)</li>
<li>Bei nicht infizierten Wunde</li>
<li>Bei äußerlichen Verletzungen, die man gut desinfizieren kann</li>
<li>Bei Bauchschmerzen unklaren Ursprungs</li>
<li>Bei Rückenschmerzen oder Lahmheiten</li>
<li>Bei den meisten Augenentzündungen des Hundes</li>
<li>Bei steril durchgeführten Operationen</li>
<li>Bei Schnupfen (meist durch Viren, Fremdkörper oder Tumor bedingt)</li>
<li>Bei den meisten Formen von Husten (meist durch Viren oder strukturelle Erkrankungen bedingt)</li>
<li>Bei sterilen Knochenbrücken</li>
<li>Unklarer Ursache</li>
</ul>
</li>
</ul>								</div>
				</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
									<p>Bei all diesen Punkten gilt natürlich: beim Nachweis einer bakteriellen Infektion<br />und einer entsprechend schwerwiegenden Symptomatik, kann in<br />Ausnahmefällen doch ein Antibiotikum sinnvoll werden. Allerdings muss der<br />Einsatz bei Lappalien beendet werden! Und dafür tragen primär wir als<br />Fachpersonal die Verantwortung, aber auch ihr als Besitzer:innen dürft gerne<br />intervenieren, wenn euch der Einsatz eines Antibiotikums dubios erscheint –<br />denn leider ist die Wichtigkeit des Themas offenbar noch nicht zu allen<br />Kolleg:innen durchgedrungen.</p>								</div>
				</div>
					</div>
				</div>
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					<h2 class="elementor-heading-title elementor-size-default">Bakterien können sogar wichtig sein!</h2>				</div>
				</div>
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				<div class="elementor-widget-container">
									<p>Zu guter Letzt gibt es noch einen weiteren ganz wichtigen Punkt: Bakterien sind<br />nicht immer „der Feind“! In den letzten Jahren kommt es zu immer mehr<br />spannenden Forschungsergebnisse zum körpereigenen Mikrobiom. Dieses<br />Mikrobiom besteht aus zahlreichen Bakterien, die sich in und auf unserem<br />Körper befinden und für eine große Rolle beim Erhalt unserer Gesundheit<br />spielen! Wir haben quasi ein riesiges Support-Team aus Bakterien zur<br />Verfügung. Dieses erfüllt verschiedenste Aufgaben des Immunsystems, der Verdauung,<br />der Hautbarriere u.v.m. Dieses Team sollten wir auf keinen Fall<br />durch den unsachgemäßen Gebrauch von Antibiotika gefährden. Da dasselbe<br />für unsere Haustiere gilt, müssen wir auch deren Mikrobiom schonen und<br />gegebenenfalls sogar aufpäppeln.</p>
<p><strong>Fazit: </strong>Beschützt das Mikrobiom und beschützt unsere Super-Waffen, die Antibiotika.<br />Wir brauchen sie für ganz, ganz dringend gegen lebensbedrohliche bakterielle<br />Infektionen.</p>								</div>
				</div>
					</div>
				</div>
				</div>
		<p>Der Beitrag <a href="https://tiermedizin-wissen.de/antibiotika-in-der-tiermedizin/">Die große Bedrohung: Antibiotika-Resistenzen</a> erschien zuerst auf <a href="https://tiermedizin-wissen.de">www.tiermedizin-wissen.de</a>.</p>
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