|

Kranke Niere? 5 häufige Fehler!

Häufige Diagnose: Nierenerkrankung

Die chronische Nierenerkrankung ist eine der häufigsten Diagnosen beim älter werdenden Hund und der geriatrischen Katze. Eine nachlassende Nierenfunktion kann zu mannigfaltigen Symptomen führen. Klassisch ist eine vermehrte Wasseraufnahme (Polydypsie), die durch einen gesteigerten Wasserverlust über die Nieren getriggert wird. Es zeigt sich eine Polyurie, also eine krankhaft erhöhte Urinausscheidung. Auch ein verminderter Appetit, Erbrechen, Maulgeruch oder Gewichtsverlust können Hinweise auf eine Nierenerkrankung sein.

Diagnostik

Eine chronische Nierenerkrankung kann im Anfangsstadium völlig symptomlos sein. Dies stellt Besitzer:innen und Tierärzt:innen vor eine echte Herausforderung, da die Früherkennung der Erkrankung entscheidend ist. Die Diagnostik besteht unter anderem aus der Bestimmung von Blutwerten. Diese reicht jedoch in den allermeisten Fällen nicht aus! Um Fehler bei Diagnostik & Therapie zu vermeiden, besprechen wir hier die häufigsten Fehlerquellen.

1. Stolperfalle "Nierenwerte"

Die klassischen Nierenwerte im Blut sind Kreatinin und Harnstoff. Diese Werte steigen jedoch bei weitem nicht nur bei einer Nierenerkrankung an, sodass eine Erhöhung immer im Gesamtkontext beurteilt werden muss. Außerdem sind normale Nierenwerte kein Garand für gesunde Nieren! Erst bei 2/3 Funktionsverlust der Nieren steigen diese Werte überhaupt an! Eine Früherkennung erfordert daher immer mindestens auch eine Urinuntersuchung. Neuere Nierenwerte sind SDMA und FGF23. Diese liefern uns etwas andere, und möglicherweise auch frühere, Informationen über den Zustand der Nieren.  Auch Ultraschall-Veränderungen der Nieren oder Nierenwerte, die im Normbereich ansteigen, sind ernstzunehmende Befunde.

Das spezifische Gewicht ist ein wichtiger Bestandteil der Urinuntersuchung und liefert Hinweise auf die Konzentrationsfähigkeit (Funktion) der Nieren

2. Substaging vergessen

Die Nierenerkrankung wird anhand der Blutwerte in Stadien eingeteilt (IRIS Guidelines zum Staging der CNE). Wichtig ist, dass das Staging hiermit jedoch nicht beendet ist. Das sogenannte Substaging beinhaltet eine Blutdruckmessung und die Messung des Urin-Protein-Kreatinin-Quotienten (UPC). Die Nierenerkrankung geht oft mit einem erhöhten Blutdruck einher, welcher wiederum die Nieren weiter schädigen kann. Zudem kann ein Proteinverlust über die Nieren zu Komplikationen führen. Diese beiden Faktoren müssen bei Therapieentscheidungen beim Nierenpatienten immer berücksichtigt werden. Nicht nur die Blutuntersuchung, sondern auch Blutdruckmessung und UPC-Bestimmung sollten beim Nierenpatienten in regelmäßigen Abständen widerholt werden.

Die Bestimmung des UPC ist obligat!

3. Nephrotoxische Substanzen vergessen

So bezeichnet man bestimmte Stoffe, die potenziell schädich für die Nieren sind. Neben Umweltgiften (Trauben, Lilien…), gelten unter anderem verschiedene Narkose-Mittel und Schmerzmittel (NSAID) als nierenschädlich. Dennoch darf ein Nieren-Patient auch entsprechende Schmerzmittel erhalten, solange eine individuelle Risiko-Abwägung erfolgt ist. Schmerzfreiheit hat immer oberste Priorität! Beim Nierenpatienten muss jedoch besonders darauf geachtet werden, dass die Niere unter der Therapie anderer Erkrankungen (z. B. auch Entwässerungstherapie beim Herzpatienten) nicht allzu stark leidet.

4. Narkose ohne Infusion

Die Nieren müssen gut durchblutet werden. Eine Narkose kann die Perfusion einschränken, daher ist bei jedem Patienten, aber vor allem beim Nierenpatienten, eine adäquate Infusionstherapie in die Vene bei jeder Anästhesie entscheidend. Hier gilt jedoch nicht „viel hilft viel“, sondern die Infusionsrate muss perfekt auf den individuellen Patienten zugeschnitten werden. Eine Infusion ist ein Medikament und sollte entsprechend behandelt werden. Generell ist eine Narkose für einen Nieren-Patienten kein großes Drama, solange sie individuell und kompetent durchgeführt wird!

5. Angst vor Kohlenhydraten

Ein riesiger Trend ist es, Kohlenhydrate in der Ernährung von Hunden und Katzen komplett zu verschreien. Gerade Nieren-Patienten können jedoch, da sie möglichst protein-arm ernährt werden müssen, stark von einer gewissen Menge an Kohlenhydraten in ihrer Ration profitieren. Ja, auch Katzen! Wichtig ist nicht, ob Kohlenhydrate im Futter enthalten sind, sondern in welcher Form. Es handelt sich um Makronährstoffe, die eine fantastische Energiequelle darstellen und zur Schmackhaftigkeit des Futters beitragen können. Gerade Nieren-Patienten haben oft Probleme, ihr Gewicht zu halten. Auch hier können Kohlenhydrate die Lösung darstellen. Entscheidend ist die Gesamtration! Optimal ist eine individuelle Ernährungsberatung, um auf den Bedarf des Tieres perfekt einzugehen. 

Zusammenfassung

  • Eine Nierenerkrankung kann komplexe Symptome hervorrufen
  • Neben den Blutwerten sind Urin-Untersuchung und Blutdruckmessung entscheidend
  • Nephrotoxische Substanzen nur nach individueller Risiko-Abwägung einsetzen
  • Keine Narkose ohne Infusion & Blutdruck-Monitoring
  • Keine Panik vor Nieren-Diäten

Fazit

Nierenpatienten können oft ein langes und glückliches Leben führen. Wichtig ist immer der Blick auf das große Ganze. Regelmäßige Kontrollen und Anpassungen des Managements sind entscheidend und können zur Aufrechterhaltung der Lebensqualität beitragen.

In der Akademie findet ihr, teilweise sogar kostenlose, Fortbildungen zu den Themen Nierenerkrankung, alter Patient, Ernährung u.v.m. Ganz viel Spaß beim Stöbern. 

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert