Ein gestörtes Gangbild

Wenn ein Tier plötzlich ein verändertes Gangbild zeigt, verursacht das bei Besitzer:innen zunächst große Sorge. Manche Tiere laufen nur etwas steif oder vermeiden bestimmte Bewegungen. Andere Patienten hingegen entlasten ihre Gliedmaße vollständig, zeigen deutliche Schmerzen oder Lähmungen. Wichtig ist jedoch: Eine solche Beobachtung bedeutet nicht automatisch eine schwere oder unheilbare Erkrankung. Viele Probleme lassen sich gut behandeln, sobald klar ist, was wirklich dahintersteckt.

Orthopädische und neurologische Erkrankungen betreffen unterschiedliche anatomische Strukturen. Sie führen jedoch zu ähnlichen Symptomen. Schmerzen können zu Muskelverspannungen führen und neurologische Ausfälle hingegen verursachen oft Fehlbelastungen. Genau deswegen ist eine sorgfältige, systematische Diagnostik so wichtig.

Was steckt dahinter?

Bei orthopädischen Erkrankungen handelt es sich meist um Veränderungen an Knochen, Gelenken, Muskeln oder Bändern. Dazu gehören zum Beispiel degenerative Gelenkerkrankungen wie Arthrose und akute Verletzungen wie Bänderrisse und Stauchungen. Häufig sind zudem angeborene Fehlstellungen und erblich bedingte Hüft- und Ellbogengelenksdysplasien (HD & ED). 

Der Klassiker der neurologischen Erkrankungen beim Hund sind Bandscheibenvorfälle (Discopathien). Discopathien verursachen Schmerzen und neurologische Ausfälle. Schnelles Handeln ist hier entscheidend! Weitere neurologische Erkrankungen betreffen dagegen das Gehirn, direkt das Rückenmark oder die peripheren Nerven. Hierzu zählen entzündliche Prozesse, degenerative Veränderungen, angeborene Störungen oder Verletzungen.

Welche Diagnostik macht Sinn?

Die Diagnostik erfordert eine genaue Beobachtung des Gesamtbildes. Am Anfang steht immer die klinische Allgemeinuntersuchung zur Beurteilung des allgemeinen Gesundheitsstatus. In der orthopädischen und neurologischen Untersuchung wird das Gangbild beurteilt und der Bewegungsapparat wird durchgetastet und -bewegt. Zudem werden Reflexe getestet. Bereits dieser erste Schritt gibt wichtige Hinweise darauf, ob die Ursache eher im Bewegungsapparat oder im Nervensystem liegt.

Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen, sind bildgebende Verfahren unverzichtbar. Röntgenbilder zeigen Veränderungen an Knochen und Gelenken. Ultraschalluntersuchungen eignen sich für die Darstellung von Sehnen und Muskeln, während ein MRT vor allem dann entscheidend ist, wenn Nerven, Bandscheiben oder das Rückenmark betroffen sein könnten. Bei komplizierten Fällen kann ein CT zusätzliche Informationen über knöcherne Strukturen liefern. Beim Vorliegen einer neurologischen Erkrankung kann eine Entnahme von Hirnwasser (Liquor cerebrospinalis) sinnvoll sein.

Konsequenzen der Diagnose

Viele orthopädische und neurologische Erkrankungen lassen sich sehr gut behandeln. Entscheidend ist eine genaue Diagnose! Von dieser hängt die Therapieplanung ab. Mögliche Therapieoptionen sind Schmerzmanagement, Entzündungshemmung, gezieltes Muskeltraining und Physiotherapie. Ein chirurgischer Eingriff kann ebenfalls sinnvoll sein.

Bei frühzeitiger Diagnose und gut abgestimmter Therapie haben viele Tiere hervorragende Chancen, beschwerdearm zu leben.

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