Schlechtes Bauchgefühl

Pure Verzweiflung kann aufkommen bei Patienten, die immer wieder Durchfall, Erbrechen oder eine gestörte Futteraufnahme zeigen. Der Leidensdruck bei chronischen Magen-Darm-Symptomen ist für Tier und -halter:in enorm! Die Herausforderung ist, dass Verdauungsbeschwerden durch vielfältige Erkrankungen entstehen können. Nicht nur gastrointestinale (den Magen & Darm betreffende) Krankheiten können vorliegen. Auch die Bauchspeicheldrüse (Pankreas), Leber, die Gallenwege oder gar die Nieren können hinter vermeintlichen Magen-Darm-Symptomen stecken. Dies erklärt, warum die Aufarbeitung eines Patienten mit chronischen Verdauungsbeschwerden aufwendig und umfangreich sein kann. Diagnostik lohnt sich jedoch, um eine nachhaltige Lösung zu finden.

Infektiös oder nicht?

Diese Frage lässt sich in 95% der Fälle mit einem klaren NEIN beantworten. Fast nie steckt eine (vor allem bakterielle) Infektion hinter chronischen Verdauungs-Beschwerden. Chronischer Durchfall oder Erbrechen sollten nahezu NIE mit Antibiotika behandelt werden. Ein Antibiotikum hat nämlich in den meisten Fällen einen desaströsen Nebeneffekt: die Zerstörung des wertvollen Mikrobioms. Die im Darm lebenden symbiontischen Mikroorganismen sind entscheidend für einen gesunden Organismus. Sie sollten unbedingt geschont werden.

Was ist die Diagnose?

Ein Magen-Darm-Patient muss systematisch aufgearbeitet werden. Hierzu gehört zunächst eine ausführliche Fütterungsanamnese mit individueller Ernährungsberatung. Bringt eine Ernährungs-Anpassung nicht den gewünschten Erfolg, sind Blutentnahme, Kotuntersuchung, Ultraschall und gegebenenfalls auch eine Entnahme von Zellen oder Gewebe sinnvoll. Wichtig ist ein systematisches, schrittweises Vorgehen! Die allermeisten Magen-Darm-Patienten lassen sich durch die passende Fütterung und eine Stärkung des Mikrobioms behandeln. Wichtig sind hierbei jedoch absolute Konsequenz und Geduld. Die meisten Fütterungsumstellungen scheitern am Management!

Ausgeschlossen werden sollten zudem Magen-Darm-Parasiten, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), eine exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI), Lebererkrankungen, strukturelle Veränderungen im Magen-Darm-Trakt (z. B. Tumoren), hormonelle Erkrankungen und eine schwere Dysbiose (Verschiebung des Mikrobioms). 

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