Pipi-Probleme?

Verändert ein Tier plötzlich sein Trink- oder Urinverhalten, sorgt das bei Besitzer:innen oft für große Unsicherheit. Manche Tiere trinken deutlich mehr (Polydypsie) oder setzen größere Urinmengen ab (Polyurie). Andere zeigen schmerzhaftes (Strangurie) oder sehr häufiges Wasserlassen (Pollakisurie). Bei Katzen fällt vielleicht der Harnabsatz außerhalb der Toilette auf (Periurie). Eine plötzliche Unsauberkeit ist sehr belastend. Oft lassen sich derartige Symptome jedoch gut stabilisieren oder vollständig behandeln, sobald die Ursache klar ist.

Nieren– und Blasenerkrankungen  führen häufig zu ähnlichen Symptomen. Während Blasenentzündungen oder Harnsteine jedoch meist mit Schmerzen einhergehen, entwickeln sich Nierenerkrankungen oft schleichend und bleiben daher lange unbemerkt. Eine frühzeitige und strukturierte Diagnostik ist in beiden Fällen entscheidend!

Welche Ursachen gibt es?

Hunde und Katzen haben häufig Blasenentzündungen und/oder Harnsteine. Letztere behindern den Urinfluss und können zum lebensbedrohlichen Notfall werden. Bakterielle Infektionen der Blase sind möglich, aber vor allem bei Katzen sehr selten. Katzen erkranken sehr häufig an der sogenannten „Feline Lower Urinary Tract Disease“ (FLUTD). Es handelt sich hierbei um eine komplexen Erkrankung, die stressbedingte und entzündliche Faktoren kombiniert. Die FLUTD ist eine sterile Blasenentzündung. Bakterien spielen hierbei keine Rolle. Bei der Katze mit Blasenentzündung ist fast nie ein Antibiotikum indiziert!

Nierenerkrankungen betreffen das Filtersystem des Körpers. Unterschieden werden akute Nierenerkrankungen (ANE) und chronische Nierenerkrankung (CNE). Die CNE tritt besonders bei älteren Tieren häufig auf und entsteht meist schleichend. Akute Nierenprobleme gehen meist auf Infektionen, Vergiftungen oder Kreislaufstörungen zurück. Die ANE kann innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden. Die Therapie von ANE und CNE unterscheidet sich. Bei der ANE steht die Ursachentherapie, soweit möglich, im Vordergrund.

Welche Diagnostik macht Sinn?

Ein Tier mit verändertem Trinkverhalten und Urinabsatz muss sorgfältig klinisch untersucht werden. Eine Urinuntersuchung liefert unter anderem wichtige Informationen zu Entzündungsprozessen und der Konzentrationsfähigkeit der Niere. Eine bakteriologische Untersuchung des Urins macht nur aus steril gewonnenem Urin (z. B. mittels Blasenpunktion) Sinn! Ergänzend zeigt eine Blutuntersuchung, wie gut die Nieren noch arbeiten und ob Stoffwechselveränderungen vorliegen. Wichtig: die Nierenwerte im Blut steigen erst bei 2/3 Funktionsverlust an! Ein Ultraschall dient der Beurteilung von Nierenstruktur, Blasenwand und Blaseninhalt. Röntgenaufnahmen können bestimmte Steine oder anatomische Besonderheiten darstellen. So entsteht ein vollständiges Bild der Erkrankung. Natürlich ist nicht bei jedem Patienten ist all das nötig!

Kann man therapieren?

Viele Erkrankungen der Nieren und Harnwege lassen sich gut behandeln. Akute Blasenentzündungen sprechen meist schnell auf eine gezielte Therapie an. Harnsteine können, je nach Art, medikamentös aufgelöst werden oder müssen chirurgisch entfernt werden. Chronische Nierenerkrankungen lassen sich durch spezielle Diäten, Flüssigkeitsmanagement und unterstützende Medikamente oft lange stabil halten. Bei einer akuten Nierenerkrankung ist entscheidend, dass die genaue Ursache gefunden wird. Diese bestimmt die weitere Therapie.

Mit einer frühen Diagnose und einer individuell angepassten Behandlung haben viele Tiere sehr gute Chancen auf ein stabiles, beschwerdearmes Leben. Viele der Erkrankungen sind sogar heilbar!

Unsere Kurse zu Nieren- & Blasenerkrankungen:

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